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planlos 2017 geht an Grazer Bürgermeister

Zum vierten Mal wurde am Dienstag der planlos Award für die »planloseste« Entscheidung in der österreichischen Baukultur vergeben. Der Preis ging heuer an die Stadtplanung der Stadt Graz, vertreten durch ihren Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl.

 

Wien, 18. Oktober 2017: Auf der Website www.planlos2017.at waren heuer zugleich vier Projekte aus Graz nominiert, bei denen eine kompetente und vorausschauende Stadtplanung als fehlend moniert wurde: das Mur‐Kraftwerk, dem es laut der Nominierung an einem erkennbaren und umfassenden Stadtentwicklungskonzept mangele und das Entwicklungsgebiet Reininghausgründe, eine schon länger lebhaft umstrittene Planungsbaustelle. Ergänzt wurde der Reigen der Nominierungen für die Stadt Graz durch den Plan für eine Murgondel für PendlerInnen und TouristInnen und für ein neues unterirdisches Parkhaus mitten im Grazer Zentrum, über das demnächst im Grazer Stadtrat abgestimmt werden soll. Gerade das letzte Projekt erhitzt in diesen Tagen die Gemüter, weil Sinnhaftigkeit und planerische Umsetzbarkeit bisher nicht ausreichend dargestellt werden konnten.

Die Stadtplanung fällt Entscheidungen, die oft erst nach Jahren und Jahrzehnten ihre volle Wirksamkeit für das komplexe Stadtgefüge entfalten und Auswirkungen auf weitere Einzelentscheidungen in der Zukunft haben. Entsprechend wenig sollten tagespolitische Ziele diese Entscheidungen beeinflussen. Das langfristig gelungene Ganze ist das Kriterium für die Qualität der Planung. Zur Planungskultur zählt auch eine Kultur der Kommunikation von städteplanerischen Entscheidungen. Den erwähnten Planungsprojekten in Graz fehlt laut der unabhängigen Jury des planlos Award in Summe ein nachvollziehbares Gesamtkonzept. Der Preis selbst, ein massiver Betonblock, wird in den nächsten Tagen dem Büro des Preisträgers übergeben, der die Gelegenheit zur Darstellung seiner eigenen Sichtweise bei der Preisverleihung nicht genutzt hatte.

Mangelhafte Planungskultur auch in Wien und Niederösterreich

Das Thema (fehlende) Planungskultur schien heuer überhaupt auffällig oft im Fokus zu stehen. Denn der 2. Platz ging an die Stadt Wien – die 2015 den planlos für die umstrittenen PPP‐Verfahren erhalten hatte – für ihre »Planungslücken« im Stadtentwicklungsgebiet rund um den Praterstern. Hier entsteht mit dem Austria Campus ein monofunktionales Office‐Ghetto, das eine flexible Nutzung und den Zugang zu den dahinterliegenden Quartieren verhindert.

Es gab auch einen 3. Preis; für den ehemaligen niederösterreichischen Wohnbaulandesrat Wolfgang Sobotka und sein im Frühjahr 2016 medial umfangereich vermarktetes Wohnbauprogramm Wohn.Chance.NÖ. Dieses »Luftschloss« erschöpfte sich jedoch in »leeren Kilometern«, denn bis heute wurde kein einziges Wohnhaus errichtet, keine einzige Wohnung vergeben.

Der GUT GEMACHT! als positive Alternative

Die IG Architektur selbst hat am gestrigen Abend auch einen »Positivpreis«, den GUT GEMACHT! verliehen. Dieser ging an DI Ernst Schlossnickel, einen leitenden Mitarbeiter der Baudirektion Wien, der sich um den Fachdiskurs zu Planungsfragen verdient gemacht hat und den NutzerInnen der »Offenen Mailingliste« der IG Architektur, einem Forum von über 2.000 ArchitektInnen, PlanerInnen, Kultur‐ und BildungsträgerInnen, bei Fragen zu Bauvorschriften und Normen und deren Auslegung beratend zur Seite stand.

Zum Download: Ausführliche Pressemitteilung

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Planungskultur zum Kopfschütteln

Aus insgesamt 23 vorgeschlagenen exemplarischen »Planlosigkeiten« hat eine unabhängige Jury die Top drei ausgewählt: aus Wien, Graz und Niederösterreich. Eine erhält am 17. Oktober 2017 den planlos Award 2017.

 

Wien, 2. Oktober 2017: Auf der Website www.planlos2017.at gingen im Spätsommer 2017 genau 23 Vorschläge für planerisch unvernünftige Entscheidungen in der österreichischen Baukultur ein. Eine unabhängige Jury wählte drei Nominierungen aus Wien, Graz und Niederösterreich aus, die am 17. Oktober bei einer Festveranstaltung in den Wiener Räumen der IG Architektur vorgestellt werden und von denen eine den ersten Preis, einen 8 Kilogramm schweren Betonblock, erhält.

Wien: Business-Blocks verbauen Zugänge zu Stadtentwicklungsgebieten
»Austria Campus«: Stadtplanung denkt in langen Zeiträumen. Manchmal leidet sie jedoch an Amnesie, was ihre wichtigsten Ziele betrifft. Vor allem, wenn InvestorInnen ins Spiel kommen. [...]
Nominiert: Die Stadtplanung der Stadt Wien seit den 1990er Jahren, die beteiligten InvestorInnen, und die große Planungslücke dazwischen.

Graz: Kraftwerk in der Stadt ohne erkennbares Stadtentwicklungskonzept
Graz bekommt mitten in der Stadt eine Staustufe an der Mur. Informationen über die städtebauliche Einbindung erreichen nur spärlich die Öffentlichkeit. [...]
Nominiert: Stadt Graz, Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl

Niederösterreich: Billiger Bauen als Null-Nummer
Quasi einen Blick zurück bietet die dritte Nominierung »Wohn.Chance.NÖ«. Vermeintlich dringende Planungsnotwendigkeiten kollidierten mit der Suche nach ausreichender Planungsqualität und dafür qualifizierten Expertinnen. [...]
Nominiert: Wolfgang Sobotka, bis 2016 Wohnbaulandesrat des Landes Niederösterreich

Die drei »planlosen« Favoriten zeigen exemplarisch Missstände auf, die über das einzelne Projekt hinaus auch für viele andere nicht glückliche Planungsentscheidungen (vor allem der öffentlichen Hand) in Österreich stehen. Allen drei ist gemeinsam, dass sie aus Sicht ihrer UrheberInnen gut geplant sind. Die nominierten Entscheider verfügten über die politischen Möglichkeiten, diese Planungen ins Leben zu rufen. Die Ergebnisse haben die Verhältnisse in den von ihnen regierten Städten nachhaltig beeinflusst. Ihre politische Verantwortung jedoch wird teilweise erst Jahre und Jahrzehnte später schlagend.

Die Einreichungen für den planlos Award 2017 zeigen in vielen Fällen die Absenz einer professionellen und partizipativen Planungskultur auf. Dieser »Fehler im System« führt häufig zu einer mangelnden Kommunikation von ausschlaggebenden stadtplanerischen Entscheidungen. Es steht zu befürchten, dass die Nominierungen nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Darauf möchte der planlos Award hinweisen.

Mehr Informationen: Ausführliche Pressemitteilung